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Erfahrungsbericht: Amazon Echo Zuhause

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Erfahrungsbericht: Amazon Echo

Als Geschenk zu Weihnachten angekommen im Januar dieses Jahres begleitet Amazon Echo mich jetzt täglich im Alltag zuhause. Höchste Zeit, mal eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen und mit dem Kollegen von FCKNG AWSM gleichzuziehen. Für alle, die es nicht kennen – und das sind bei der regelmäßigen Heim-Präsentation doch sehr viele: Amazon Echo ist ein Produkt aus dem Hause Amazon, das mit sieben Mikrofonen und der künstlichen Amazon-Intelligenz (KI) Alexa versehen ist.  Via Sprachbefehl ist die Kommunikation mit diesem Echo dementsprechend möglich. Der kleine Bruder ist der Amazon Echo Dot.

 

Der erste Eindruck: Das ist Amazon Echo

Der erste Eindruck war durchwachsen. Das Gerät kommt in einer sehr eleganten Verpackung, ist dann am Ende doch kleiner als immer gedacht und erstmal sehr unscheinbar. Das empfinde ich als positiv. Die Konfiguration ist sehr einfach. Es gibt ein (viel zu großes) Netzteil, ein Kabel sowie ein das Gerät mit Schnellstart-Anleitung. Der Anschluss erfolgt sehr einfach, auch die Konfiguration wirkt auf den ersten Blick sehr intuitiv und einfach. Dadurch, dass Echo keine Eingabetasten oder ein Display hat, erfolgt der Anschluss ans WLAN wie Brücken-WLAN über das Smartphone. Ein Smartphone, sprich: ein Android- oder iOS-Gerät, sind dementsprechend erforderlich. Ist die Konfiguration erst geschafft – das gelingt übrigens ohne Stimmtests – funktioniert das Gerät sofort und reagiert auf das gewählte Schlüsselwort. In meinem Fall ist das das Wort „Echo“ statt dem Standard-Wert „Alexa“. Bis dato möglich sind darüber hinaus noch „Amazon“ oder „Computer“. Sobald „Jarvis“ oder eigene Namen möglich sind, melde ich mich hier wieder.

 

Vorteile von Amazon Echo: Lückenlose Integration in den Alltag

Echo steht im Hauptraum, dem Wohn- und Essbereich. Bei wenigen Leuten / Geräuschkulisse im Raum, ist auch eine Kommunikation aus dem Nebenraum, der Küche möglich. Die Positionierung ergab sich sowohl aus optischen als auch praktischen Gründen: Echo benötigt schließlich eine permanente Stromversorgung. Die Kombination über das Schlüsselwort funktioniert in 90 Prozent der Fälle unfallfrei. Ich sage „Echo“ und gebe den entsprechenden Befehl hinzu und das Gerät reagiert. Alexa sorgt so dafür, dass entsprechende Musik läuft, erzählt hier und da einen Witz und gibt seit Integration der überfälligen Exchange-Funktion endlich auch Aufschluss über Kalender, die keine GMail-Kalender sind. Auch das Fernsehprogramm, Nachrichten und Sport-Ergebnisse sowie mehr oder weniger hilfreiche Hintergrund-Informationen zu Schauspielern, Ereignissen sowie dem aktuellen Tag gehören fast zum Alltag.

Amazon selbst sorgt auch in regelmäßigen Abständen dafür, dass ich mehr über das Gerät, seine so genannten Skills und Funktionen erfahre. Eine freitägliche E-Mail bringt mich immer auf den aktuellen Stand. Das sorgt zumindest dafür, dass man nie den Spieltrieb verliert und immer wieder neue Funktionen und Gimmicks ausprobiert. Insbesondere die Skill-Bibliothek erweitert sich ständig. Sie ist das Pendant zu Googles PlayStore und Apples AppStore, also die Oberfläche, von der aus sich alle Zusatz-Applikationen aktivieren lassen.

Besonders beim Kochen oder Essen sowie an Abenden mit Freunden ist die Kommunikation über Echo sehr hilfreich: Kurze Nachfragen, ob bestimmte Zutaten andere ersetzen können sowie das Touch-lose lauter und leiser machen von Musik oder auch das Überspringen einzelner Tracks macht das Gerät zu einem sehr angenehmen Partner im Alltag. Darüber hinaus ist es – wie auch schon die Apple Watch – ein „good conversation starter“ in kleineren Runden. Der Spieltrieb und der Forschungsdrang, Funktionalitäten mal auszuprobieren ist generationenübergreifend vorhanden.

Schwachpunkte & Potenziale von Amazon Echo: App, Sound und Vielfalt

Was ein neues technisches Gerät und der erste wirkliche Versuch einer Art künstlichen Intelligenz für die Masse ist, hat logischerweise noch Macken. Diese Herausforderungen und Probleme werden allerdings von Anfang an kommuniziert. Jeff Bezos, CEO von Amazon.com, bezeichnet Alexa selbst auch als Experiment.

Dass beispielsweise die Spracherkennung hier und da mal zickt, ist kaum ein Wunder – und gleichzeitig gar nicht so schlimm, da ein solches Manko bis zu einem gewissen Zeitpunkt über Software-Updates ausgeglichen werden kann. Gleichzeitig ist das Problem der Spracherkennung im Haushalt hier auch sicherlich auf die Positionierung zurückzuführen. Der berühmte blaue Ring zeigt immer an, aus welcher Richtung Echo gerade Befehle empfängt. Die nahe Positionierung an der Wand deutet darauf hin, dass Echo häufig den Widerhall von der Wand interpretiert und nicht die direkte Tonquelle. Das mag in meinem speziellen Falle bereits eine Erklärung sein.

Auch der Sound von Echo ist nicht unbedingt berauschend. Wer selbst schon starke Boxen hat, die er an den kleinen Bruder, Amazon Echo Dot, anschließen kann, sollte auf diese preiswertere Möglichkeit zurückgreifen. Ergänzend ist in diesem Kontext sehr frustrierend, dass bestimmte Playlists, etwa von Spotify, einfach nicht aufzufinden sind. Öffnet man Spotify auf dem Rechner oder Smartphone, findet man über die Suche eine Liste. Auch die Interpretation des Befehls „Echo, spiele die Liste ‚Disney Hits‘ von Spotify“ gelingt laut App-Kontrolle perfekt. Echo behauptet aber steif und fest, dass es eine solche Liste auf Spotify nicht gebe. Gegenbeweis gefällig?

Kommen wir zum Hauptpunkt, Status jetzt: Die iOS-App ist eine richtiggehende Frechheit für ein Unternehmen dieser Größe. Die Ladezeiten sind eine Katastrophe, die Performance ist unterirdisch. Auch das UI-/UX-Team von Amazon hatte wohl gerade etwas besseres zu tun – die App besaß hier wohl keine Relevanz. Prinzipiell ist jede Funktion zwar via zwei oder drei Klicks erreichbar. Wo sich bestimmte Einstellungen jedoch verstecken, ist nicht immer logisch. Hinzu kommt: Nach der ersten Konfiguration habe ich die Applikation ganz normal geschlossen. Ich habe die App dann wieder aufgerufen – die hatte glatt vergessen, dass der Echo bereits funktionsfähig konfiguriert war und zu dem Zeitpunkt auch sauber funktionierte. Der Installationsdialog war dann auch relativ fix abgeschlossen, das Tutorial musste ich jedoch nochmals komplett durchleben. Nicht zufriedenstellend.

Was darüber hinaus ein kleines Problem darstellt – das wird die Zeit aber sicherlich bringen: Es gibt zwar irre viele Skills, die erinnern aber ganz stark an die Anfänge des AppStores von Apple vor einigen Jahren mit der Einführung des iPhones. Viel, viel Schwachsinn, der witzig gemeint ist und die Schnittstellen von Echo bedient – mehr dann aber auch nicht. Wer die momentane Nutzergruppe des Amazon Echo (allerdings noch vor Freischaltung für alle Kunden in Deutschland) ist, erschließt sich schon aus der Masse an Bewertungen der „großen“ Skills. So hatte der heise-Skill deutlich mehr Bewertungen als der SPIEGEL Online-Skill. Dass hier jedoch immer wieder dran gearbeitet wird, macht ja schon die freitägliche E-Mail deutlich.

Weitere Auffälligkeiten: Amazons Echo als First Mover für KI

Aus meiner Sicht besonders auffällig: Amazon scheint ein unglaubliches Interesse an der Marktforschung in Bezug auf dieses Produkt zu haben. Der Erst-Fragebogen war unfassbar umfangreich und detailliert. Amazon wollte nicht nur wissen, wer ich bin, um demographische Cluster bilden zu können. Auch mein Nutzungsverhalten, die Interaktion, Vor- und Nachteile wurden in zahllosen Items abgefragt. Auch die weitergehende Marktforschung, etwa die Frage nach möglichen Hausbesuchen oder Fokusgruppen und Telefon-Interviews, macht deutlich: Für Amazon ist eine KI im Haus der nächste große Schritt. Man setzt hier voll auf den First Mover-Vorteil. So hat das Produkt vielleicht noch Macken und Verbesserungspotentiale. Diese werden allerdings regelmäßig eingespielt – und es gibt eine gewisse Marktmacht, weil das Gerät bereits sehr weit verbreitet ist und auch immer mehr und mehr Schnittstellen zu bekannten Smart Home-Anbietern implementiert.

Fazit: Es geht weiter – Smart Home mit Licht & Thermostat kommt

Natürlich ist die Inbetriebnahme und Nutzung von Produktivitätstools nur der erste Schritt in der Anwendung von Amazon Echo. Im oben bereits zitierten Gespräch mit dem Business Insider sieht Jeff Bezos den Schwerpunkt von Amazon Echo vor allen Dingen im Smart Home, zumindest momentan. Das will ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Jetzt, wo Thermostate und auch Beleuchtung nicht mehr ganz so wichtig sind, wir die Wohnung Schritt für Schritt in ein Smart Home umgewandelt, mit genau zwei Zielen: Effizienz erhöhen, also Geld sparen, und natürlich auch Bequemlichkeit. Die Lichtsteuerung von Echo übernehmen zu lassen, klingt erstmal sehr angenehm, insbesondere dann, wenn der Lichtschalter von der Couch doch arg weit entfernt ist.

Ist das Gerät aber abschließend auch für einen Kauf empfehlenswert? Ich denke schon, zumindest für alle Menschen, die technisch affin sind und mal was anderes ausprobieren wollen. Auch die Investition von 189,99 EUR (momentan gibt es sogar ein Oster-Angebot) ist im Verhältnis zu anderen technischen Geräten noch verkraftbar und wer bereits ein einigermaßen akzeptables Box-System zuhause hat, kann sogar hier sparen und den Echo Dot für 59,99 EUR kaufen.

Bildquelle für Titelbild: Amazon.com, Inc.

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